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Die eigene Bude in Winterhude

Die WG Winterhude und Tobi sitzen am gedeckten Essenstisch. Alle sehen in die Kamera, außer Fabian. Der nippt an seinem Weißbier.
Ich sitze am gedeckten Tisch einer inklusiven WG in Winterhude. Gerade haben wir gemeinsam das Abendessen gekocht: Eine bunte Gemüsepfanne und dazu leicht verkohltes Knoblauchbaguette, wie es wohl in jeder WG schon mal auf dem Tisch stand. Fabian nippt genüsslich an seinem alkoholfreien Weißbier. Der junge Mann mit einer sog. „geistigen Behinderung“ genießt sichtlich sein selbstbestimmtes Leben unter Gleichaltrigen.

Doch bis dahin war es ein langer Weg, erzählt seine Mutter Camilla: „Eine WG aus vier Studenten und einem behinderten Menschen? Da haben uns viele Vermieter sofort abgewiesen. Auch beim jetzigen mussten wir ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Aber er hat sich darauf eingelassen und jetzt ist er begeistert!“

Evi beim Geschirrspülen.

Begeistert ist auch Studentin Evi, die hier seit einiger Zeit wohnt und wie alle Mitbewohner*innen einmal in der Woche Fabian im Alltag assistiert. „Es geht darum den Alltag zusammen zu gestalten. Dazu gehört natürlich der Haushalt mit Wäsche, Putzen und so, aber auch die Begleitung im öffentlichen Straßenverkehr und gemeinsame Ausflüge.“, erklärt sie. „Ein ganz normales, gemeinschaftliches Leben eben.“

Bezahlt werden sie auf Minijob-Basis von Fabians persönlichem Budget, das seine Mutter Camilla für ihn verwaltet. Für pflegerische Unterstützung kommt allerdings extra ein Pflegedienst. „Montag und Mittwoch Jasmin und Freitag Julia.“, erläutert Fabian.
 
Fabian und Evi holen gemeinsam Gewürze aus dem Schrank.

Ob es denn nicht komisch sei, wenn die Mutter des Mitbewohners Miete und Minijob verwalte, frage ich Joritt, der schon seit der Gründung der WG vor dreieinhalb Jahren hier wohnt. „Für mich ist das eigentlich noch nie ein Problem gewesen. Für Fabian und seine Eltern war es am Anfang sicher eine Umstellung nicht mehr zusammen zu wohnen. Deswegen haben wir Fabian unterstützt, eigene Entscheidungen zu treffen und diese auch gegenüber uns und seinen Eltern zu vertreten.“, antwortet er. „Mittlerweile hat sich aber alles eingependelt. Am Wochenende besucht er häufig seine Eltern, ansonsten geht er seinen eigenen Weg. Wenn sie ihn abholen, klingeln sie wie jeder andere Gast auch.“

Und da sein Weißbier leer und unsere Bäuche voll sind, fängt Fabian an den Tisch abzuräumen. „Ich mach das schon.“, sagt Fabian, als ich mein Geschirr in die Spüle stellen will, und fängt munter an einen alten Schlager zu singen. So macht in dieser WG sogar der Abwasch Spaß.

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