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Wohngemeinschaft Nummer 8

Eine alte Türklingel auf einer Holztür. Darüber steht "WG Nr. 8".
Während nach einer kontroversen Wahl zum Bundespräsidenten viele von einem gespalteten Österreich sprechen, rücken in Graz seit einigen Jahren viele Menschen näher zusammen. Seit 2002 gründete die Organisation alpha nova hier zehn inklusive Wohngemeinschaften. In jeder wohnen zwei Menschen mit einer „geistigen Behinderung" und zwei Menschen ohne Behinderung zusammen.

Sandra hat während ihrer Ausbildung selbst viele Jahre in einer der inklusiven WGs gewohnt. Mittlerweile arbeitet sie als mobile Assistent*in für die Wohngemeinschaften. Sie begleitet mich in die „WG Nummer 8“, wo uns Seppi bereits erwartet.

Er führt mich durch die geräumige Altbauwohnung mit hohen Decken, bunten Küchenfliesen und knarzendem Parkett. Obwohl nur Seppi zuhause ist, merkt man, dass hier ein munteres WG-Leben herrscht. Einige Pizza-Kartons liegen noch in der Küche und die Wand des gemütlichen Wohnzimmers ist mit vielen Erinnerungsfotos geschmückt.

Seppi wohnt hier seit fast zwei Jahren und ist froh, nicht mehr im „vollzeitbetreuten Wohnen“ leben zu müssen. „In der WG muss ich mich nicht abmelden, wenn ich außer Haus gehe.“, erklärt er. „Ich kann auch mal spontan ausgehen oder gemeinsam mit einem Mitbewohner zu einem Spiel von Sturm Graz gehen.“

Nicht nur die Liebe zum Grazer Fußballverein verbindet die WG-Mitglieder. Jede Woche gibt es einen Gemeinschaftsabend und einmal im Monat ist WG-Besprechung. Hier werden alle Dinge besprochen, die sich in der grünen Mappe angesammelt haben: kaputte Haushaltsgeräte, Streitigkeiten oder die gemeinsame Urlaubsplanung.

„Die Bewohner*innen ohne Behinderung sind meist Studenten, häufig auch aus dem Ausland.“, erklärt mir Sandra bei einem Kaffee. „Einen Teil ihrer Miete bekommen sie dafür erlassen, dass sie ihren behinderten Mitbewohnern gelegentlich zur Hand gehen. Beim Wäscheaufhängen zum Beispiel. Die restliche Miete können sie sich erarbeiten. Wenn einer der behinderten Bewohner zum Beispiel eine Begleitung für das Fußballspiel sucht, kann sich einer der Mitbewohner eine weitere Mietminderung verdienen.“

Die meisten der Bewohner*innen ohne Behinderung wohnen so mietfrei in ihrer inklusiven WG. Für einen gemeinsamen Fernsehabend würde aber keiner bezahlt werden, erklärt Sandra. „Dafür verbringen die WG-Mitglieder aber auch viel zu gerne Zeit miteinander, als dass sie sowas als Arbeit sehen würden.“

Sandra und ihre Kollegen*innen kümmern sich 3-6 Stunden in der Woche darum, dass die Bedürfnisse der behinderten Bewohner*innen gehört werden und helfen ihnen zum Beispiel bei Geldsachen oder Behördengängen.

Wenn mal keine Unterstützung da ist, wissen sich die behinderten WG-Mitglieder aber auch gegenseitig zu helfen. Als sein Mitbewohner an Silvester aus dem Rollstuhl stürzte, rief er kurzerhand den Notruf, erzählt Seppi.

Ob es denn in Österreich auch an anderen Orten inklusive WGs gäbe, lautet meine letzte Frage. Ihr seien kaum welche bekannt, antwortet Sandra. „Höchste Zeit dieses erfolgreiche Konzept bekannter zu machen.“, sage ich.
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