Neu gegründet: Ein deutschlandweites Bündnis für inklusives Wohnen

Jubelndes Gruppenfoto nach der Gründung des Bündnisses
Selbstbestimmtes Wohnen ist ein Menschenrecht – egal ob jemand im Alltag Unterstützung benötigt oder nicht. An einigen Orten in Deutschland bieten deshalb inklusive Wohnformen Menschen mit und ohne Behinderung ein gleichberechtigtes und buntes Zusammenleben in der Mitte der Gesellschaft. Um diese erfolgreiche Innovation weiter zu verbreiten, haben sich nun Bewohner*innen inklusiver Wohnprojekte mit Vertreter*innen von Forschungsinstitutionen, Leistungsanbietern, Stiftungen, Interessenverbänden und anderen Engagierten zusammengeschlossen und den Verein „WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen“ (in Gründung) ins Leben gerufen.

Pressemitteilung vom 5. Mai 2018. > als PDF herunterladen

MÜNCHEN/BERLIN. Bereits 2016 gründete der Student Tobias Polsfuß ehrenamtlich die Onlineplattform WOHN:SINN (www.wohnsinn.org), die über das Leben in gemeinsamen Wohngemeinschaften von Menschen mit und ohne Behinderung informiert und zeigt, wie man selbst eine solche inklusive WG gründen kann. Dem Münchner, der selbst seit fünf Jahren in einer inklusiven WG von Gemeinsam Leben Lernen e.V. wohnt, kam die Idee dazu schlicht aus der Verwunderung darüber, dass dieses erfolgreiche Wohnkonzept noch nicht weiter verbreitet ist. Die Resonanz auf die Onlineplattform war sowohl bei den inklusiven Wohnprojekten als auch in den Medien und der Öffentlichkeit derart überwältigend, dass er sich dazu entschloss, verschiedenste Akteure aus dem Bereich des inklusiven Wohnens dazu einzuladen, gemeinsam ein Bündnis zu gründen.

So kamen in den letzten Monaten von Hamburg bis Heilbronn und von Bremen bis Berlin die unterschiedlichsten Menschen und Organisationen zusammen, die der Gedanke eint, dass das selbstbestimmte Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Schnell wurde in den Treffen ersichtlich, dass dieses bunte Bündnis mit seiner Vielfalt an Perspektiven und Fähigkeiten ein enormes Potenzial birgt. Deshalb entschieden sie sich zur Gründung des Vereins „WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen“.

„Ich freue mich sehr darauf, diesen tollen Verein nach vorne zu bringen und hab schon jetzt richtig Bock, alle Leute wieder zu sehen.“, erklärt Pierre Zinke aus Dresden, der seit letztem Jahr in der inklusiven WG 6plus4 wohnt, nachdem er in den Vorstand gewählt wurde.

Gemeinsam möchten sie nun die inklusive Wohnszene besser vernetzen, Menschen bei der Gründung inklusiver Wohnprojekte unterstützen, Forschungsprojekte initiieren und sich in Politik und Öffentlichkeit für inklusives Wohnen stark machen. Denn alle Bündnismitglieder sind sich einig: Wo, wie und mit wem jemand leben möchte, sollte jeder Mensch selbst entscheiden können!

Insbesondere für Menschen mit Behinderungen ist dieses Menschenrecht leider immer noch eine Utopie. „Damit sich das ändert, hoffen wir, dass sich uns noch ganz viele Menschen und Organisationen anschließen!“, so Initiator und stellvertretender Vorsitzender des Bündnisses Tobias Polsfuß. Alle Informationen zu einer Mitgliedschaft des Vereins (in Gründung) gibt es unter www.wohnsinn.org/mitglied-werden.

Großer Dank gilt Julia Meuter von der Stiftung Bürgermut für die professionelle Moderation und Begleitung des Gründungsprozesses.


Gründungsmitglieder des Bündnisses:
  • Gemeinsam Leben Lernen e.V., München
  • Lebenshilfe Dresden e.V.
  • Offene Hilfen Heilbronn gGmbH
  • Gemeinwohlwohnen e.V., München
  • Inklusive WG Bremen e.V.
  • LAG Eltern für Inklusion Hamburg e.V.
  • Inklusiv Wohnen Köln e.V.
  • id22:Institut für kreative Nachhaltigkeit, Berlin
  • Stiftung Trias, Hattingen
  • Oekogeno e.G., Freiburg
  • Prof. Dr. Jessica Lilli Köpcke, Medical School Berlin
  • einige Bewohner der inklusiven WG 6plus4, Dresden
  • sowie Tobias Polsfuß, Raul Krauthausen und Ulrich Niehoff


Stimmen der Gründungsmitglieder, die Sie gerne in Ihrer Pressearbeit verwenden dürfen:

“Bisher melden sich alle paar Tage engagierte Leute aus dem gesamten deutschsprachigen Raum bei uns und wollen unser inklusives Wohnkonzept kennenlernen. Das macht uns natürlich stolz, aber es ist für uns kaum zu bewältigen, alle Anfragen befriedigend zu bedienen. Ich bin sehr froh, dass wir uns gemeinsam entschieden haben, ein Bündnis zu gründen, dass sich genau darum kümmert: motivierte Initiatoren zu unterstützen, zu beraten und zu ermutigen.“
Rudi Sack, Geschäftsführer von Gemeinsam Leben Lernen e.V. und erster Vorsitzender des Bündnisses

„In meinem Heimexperiment habe ich selbst erlebt, was es heißt fremdbestimmt zu leben. Als Aktivist für Inklusion möchte ich mich dafür einsetzen, dass erfolgreiche inklusive Wohnformen in Politik und Medien bekannter werden!“
Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Bündnismitglied

„Wenn wir die Inklusion als Menschenrecht verstehen, dann müssen wir das gemeinsame Wohnen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in den Fokus von Praxis und Wissenschaft rücken. Auf diesem Weg ist das Bündnis ein großer Meilenstein.“
Prof. Dr. Jessica Lilli Köpcke, Studiengangsleitung für Heilpädagogik an der Medical School Berlin und Vorstandsmitglied des Bündnisses

„Ein würdevolles Leben beginnt im alltäglichen Miteinander und endet, wenn Menschen als Problemfälle ausgegrenzt und in großen Institutionen fremdverwaltet werden. Mit unserem Bündnis für inklusives Wohnen können wir alternative, dezentrale und selbstbestimmte Wohnformen deutschlandweit verbreiten und einen Paradigmenwechsel in der Politik anregen.“
Samuel Flach, Gründer und Vorstand von Gemeinwohlwohnen e.V.


Hier finden Sie passende Bilder.

Bilderläuterungen:
1. Jubelndes Gruppenfoto nach der Gründung des Bündnisses
2. Jubelndes Gruppenfoto nach der Gründung des Bündnisses mit Schriftzug „WIR HABEN GEGRÜNDET! WOHN:SINN – Bündnis für inklusives Wohnen“
3. Gruppenfoto nach der Gründung des Bündnisses
4. Bündnismitglieder stoßen nach der Gründung mit Sekt an.
5. Der frisch gewählte Vorstand Tobias Polsfuß, Julia Francis Kiefer, Rudi Sack, Prof. Jessica Lilli Köpcke, Pierre Zinke und Lars Gerhardt (nicht im Bild)
6. Heiße Diskussionen bei der Gründung des Bündnisses
7. Die Bündnismitglieder lernen sich beim „Speed-Dating“ kennen.
8. Tobias Polsfuß, Prof. Köpcke, Larisa Tsvetkova (id22) und Christoph Pisarz (Medical School Berlin) in der Diskussion beim zweiten Treffen in Berlin
9. Prof. Köpcke, Larisa Tsvetkova, Julia Francis Kiefer und Raul Krauthausen in der Diskussion beim ersten Treffen in München.
10. Taron Geißler, Julia Francis Kiefer und Samuel Flach von Gemeinwohlwohnen e.V. beim ersten Treffen in München. Julia Francis Kiefer hält einen Zettel mit der Aufschrift „dezentrale Institutionen – bürokratische Verwaltungsaufgaben gemeinsam stemmen.
11. Gruppenfoto beim Besuch von Tobias Polsfuß in der Inklusiven WG Bremen (Titelbild von wohnsinn.org)
Bitte verwenden Sie alle Bilder mit Nennung der Fotografin Daniela Buchholz.

Kommentare  

#2 Silvia Kuhlmann 2018-05-15 08:21
Das kann tatsächlich (Wohn) Sinn machen.
Projekte sind in so vielen Gegenden und mit so vielen unterschiedlichen Ansätzen in Bewegung gesetzt worden oder werden gerade geplant.
Da ist gegenseitige Information und Unterstützung wünschenswert.
Wir haben 2010 in Wesel die Cassiopeia-Stiftung ins Leben gerufen und sind z.Z. in der Planung eines zweiten Wohnprojekts.
Gruß
Silvia Kuhlmann
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#1 Claudia Lohmeier 2018-05-10 07:13
Liebe Wohnsinnige.
Ich wünsche Euch für den Start des Vereins das Allerbeste und warte wie viele andere auch auf das baldige offizielle Auftreten des bunten "WohnSinnGewirkes".Für das, was Ihr bisher schon in Bewegung gebracht habt: Danke für Euer Engagement und Eueren unglaublichen Drive- auf Füssen-Rädern und sonstigen Fort_Bewegungsmöglichkeiten.

Mit besten Grüßen
claudia lohmeier- steinhöring
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